BRC054 Auch im Internet sind nicht alle gleich

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Die Politikwissenschaftlerin Katharina Mosene erforscht das Internet aus einer intersektional-feministischen Perspektive. Im BredowCast berichtet sie davon, wie Ungleichheit und Diskriminierung im Internet entstehen, wie man sie erforscht und was man dagegen tun kann.

In den frühen 2000er dachte man das Internet noch als einen „Möglichkeitsraum“ in dem wir uns anonym, ohne Geschlecht, ohne Körper, ohne Hautfarbe bewegen und gleichberechtigt miteinander in Diskurse eintreten. Relativ schnell hat sich herauskristallisiert, dass dem nicht so ist.

„Technologie ist nie frei von Wertung, Macht und Herrschaft. Im Internet sind nicht alle gleich“, sagt Katharina Mosene, Politikwissenschaftlern und Forschungskoordinatorin am HBI. Im Gegenteil, das Internet sei eine Technologie, die Ungleichheiten und Diskriminierung in manchen Fällen verstärke oder sogar erst hervorbringe.

Zwischen Möglichkeit und Ungleichheit

Feministische Kommunikationswissenschafter*innen betrachten das Internet als einen umkämpften öffentlichen Raum, als Blaupause unserer Gesellschaft, und daher auch als Spiegelbild gesellschaftlicher Ungleichverhältnisse.

„Wir sehen auf der einen Seite, dass das Internet ganz klassische feministische Aktivismen, wie das Sichtbarmachen von Problematiken, unterstützt. Man denke an #metoo“, sagt Katharina Mosene. „Auf der anderen Seite sehen wir digitale Gewalt, wie Hate Speech, die sich gezielt an marginalisierte Gruppen richtet.“

Ungleichheit beginnt beim Zugang

Es beginne damit, dass nicht alle Menschen gleichermaßen Zugang zu der Technologie Internet haben. Während für die einen ständiges Surfen und die ständige Verfügbarkeit von Informationen eine Selbstverständlichkeit ist, ist dies in anderen sozialen Schichten oder in anderen Erdteilen immer noch Luxus. Dies hat eine Fragmentierung der Gesellschaft zur Folge. Ungleichheiten werden verstärkt.

Ungleichheit und Diskriminierungen werden dem Internet aber auch regelrecht „eingeschrieben“ durch Algorithmen, die zum Beispiel Suchmaschinen steuern. Algorithmen sind von den selben Vorurteilen belastet, wie die Menschen, die sie programmieren. Sucht man beispielsweise in der Google-Bildersuche nach dem Begriff „Hand“, zeigen die Ergebnisse überwiegend weiße Hände, der Begriff „Familie“ erbringt überwiegend Bilder von weißen, Vater-Mutter-Kind-Familien.

Um das Internet und seine gesellschaftlichen Implikationen zu begreifen, sei es also wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Technologie die Menschen eben nicht alle gleich betrifft: „Sie betrifft die Menschen immer unterschiedlich. In ihrer Unterschiedlichkeit.“

Weiterführende Literaturhinweise

Wer an aktuellen Forschungsergebnissen zum Thema Technik, Medien und Geschlecht interessiert ist, dem sei auch das Themenheft unserer Zeitschrift “Medien & Kommunikationswissenschaft” empfohlen, das Mitte August erscheinen wird und das von Corinna Peil, Kathrin Müller, (der bereits von Katharina erwähnten) Ricarda Drüeke, Stephan Niemand und Raik Roth herausgegeben wird. “Technik – Medien – Geschlecht revisited. Gender im Kontext von Datafizierung, Algorithmen und digitalen Medientechnologien” heißt es, und auch den Link zum Heft werden wir baldmöglichst ergänzen.

Auf unserem Instituts-Blog Media Research Blog gibt es außerdem einen Beitrag von Katharina Mosene zum Thema Internet als Diskriminierungstechnologie.

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Links

Erwähnte Studien und Personen

Katharina Mosene

Johanna Sebauer

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut